Aus der Sonne Strom und Wärme gewinnen. Darum ging es beim 1. Zukunftsdialog 2020 der Hamburger Klimawoche. Und um die zentrale Frage: Warum wird nicht längst auf jedem Hamburger Dach Solarenergie erzeugt? Darüber, über die Wirtschaftlichkeit von Solaranlagen und natürlich den Beitrag zum Klimaschutz, den Solaranlagen leisten, diskutierten in der „Nordakademie“ in Altona Matthias Ederhof von der Solaroffensive Hamburg, Bernhard Weyres-Borchert vom Solarzentrum Hamburg und Sebastian Averdung von Averdung Ingenieure & Berater GmbH. Moderiert wurde die Veranstaltung von Frank Schweikert von der Deutschen Meeresstiftung.

Eigentlich ist es völlig unverständlich, warum nicht jedes geeignete Dach in Hamburg für die Produktion von Energie aus Sonne genutzt wird. Denn die Kosten liegen bei einem Ein- oder Zwei-Familienhaus bei 5.000 bis 10.000 Euro. „Nach zehn Jahren ist man in der Gewinnzone“, so Bernhard Weyres-Borchert vom Solarzentrum. Im Kleinanlagenbereich produziert man seinen eigenen Strom für rund 10 Cent die Kilowattstunde. Dass trotzdem so viele Menschen einer Solaranlage skeptisch gegenüber stünden, hat viel mit Vorurteilen zu tun. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass es sich im Norden nicht lohnen würde, die Sonne anzuzapfen. „Die Zahlen sprechen eine andere Sprache“, sagt Weyres-Borchert.

Einig waren sich die Diskussionspartner, dass Hamburg mehr tun könnte, um die Nutzung der Solarenergie voranzutreiben. „Es gibt keine Klimaschutzmaßnahme, die so wenig kostet“, sagt Matthias Ederhof von der Solaroffensive. Und trotzdem ist er sich sicher, dass erst eine gesetzliche Verpflichtung dazu führen würde, dass die Solarenergie einen Boom erfährt. „Leider ist der Bundeswirtschaftsminister nicht dafür“, ärgert sich Ederhof.

Doch auch mit Unterstützung der Hamburger Politik würde mehr gehen. Ab 2023 gibt es für Neubauten in Hamburg eine Pflicht zur Installation von Solaranlagen. „Ich hätte mir gewünscht, dass Hamburg das Thema Solar offensiver angeht“, sagt Weyres-Borchert. „Wie in Berlin, wo es einen Solarmasterplan gibt.“ Auch Ingenieur Sebastian Averdung, der vor fast einem Jahr zum Vorsitzenden des Cluster Erneuerbare Energien Hamburg gewählt wurde, sagt, dass nun aus dem Willen zum Klimaschutz, ein „Plan entstehen muss“. Er hat in den vergangenen fünf Jahren ein größeres Solarprojekt auf Berlins Dächern begleitet. „Ich bin gespannt, was aus dem Hamburger Klimaschutzplan wird“, so Averdung. „Die Solarenergie ist ein Baustein, um das 1,5-Grad-Ziel beim Klimaschutz zu erreichen“, betont Weyres-Borchert. Dazu müssten andere Maßnahmen kommen, besonders müsste auch über die Massentierhaltung gesprochen werden.

Ob die Solar-Energie in Hamburg einen Boom erfährt, darüber entscheidet auch jede*r einzelne Bürger*in, so die einhellige Meinung der Experten. Und machten Hauseigentümern wie Mietern Mut, sich dafür einzusetzen, dass von dem Dach ihres Wohnhauses Solarenergie gewonnen wird. „Fragen Sie Ihren Vermieter”, sagt Matthias Ederhof, “empfehlen Sie ihm eine Solaranlage.”

Die Zukunftsdialoge werden gefördert aus Mitteln des „#moinzukunft – Hamburger Klimafonds“.

Foto: Bernhard Weyres-Borchert (2. v.l., Solarzentrum), Sebastian Averdung (Averdung Ingenieure und Berater), Matthias Ederhof (Solaroffensive). Moderation: Frank Schweikert (l., Deutsche Meeresstiftung)

Weitere Informationen im Internet:
www.solaroffensive-hamburg.de
www.solarzentrum-hamburg.de
www.hamburg.de/energielotsen/
www.meeresstiftung.de

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