Wenige Tage nach dem Zukunftsdialog der Hamburger Klimawoche am 24. November 2020 war Baubeginn für Deutschlands höchstes Holzhaus in der HafenCity. Das Projekt mit dem Namen „Wildspitze“ wurde von den Architekten Störmer Murphy & Partners geplant. Jan Störmer stellte das Projekt beim digitalen Zukunftsdialog vor und diskutierte mit Dr. Alexa Lutzenberger (ResScore), Expertin für klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen.

„Holz ist der einzige nachwachsende Baustoff in der Bauindustrie“, sagt der Hamburger Architekt Jan Störmer. „Ich baue gerne mit Beton“, sagt Störmer. „Aber nur dort, wo es gebraucht wird.“ Zum Beispiel mache der Brandschutz Beton nötig. Deswegen ist die 18 Stockwerke hohe „Wildspitze“ ein sogenannter Hybrid-Bau. Die unteren Etagen sind wegen des Hochwasserschutzes aus Beton und der Kern mit den Fahrstuhlschächten aus Brandschutzgründen ebenfalls. „Zu 75 bis 80 Prozent ist das Gebäude aus Holz“, so Störmer. Und man wird das Holz von außen sehen.

Das Bauen mit Holz unterscheidet sich von konventionellen Bauten. Die Planung dauert länger, es ist teurer und man hinterher nichts mehr ändern, weil die Holzelemente vorgefertigt werden. Dafür kann sich die reine Bauzeit halbieren. Viel wichtiger: Die Architekten müssen Überzeugungsarbeit leisten, denn die Angst der Investoren vor dem Baustoff Holz ist noch da. In Hamburg traut sich die Firma Garbe an das „Wildspitze“-Projekt. Der Holzbau war eine Auflage der Stadt, um das Grundstück zu bekommen  ein Pilotprojekt für Hamburg.

„Vor dem Krieg haben wir mit fünf bis sechs Baustoffen gearbeitet“, sagt Alexa Lutzenberger. „Heute ist es ein Vielfaches und vieles davon wird verklebt. Aber diese Baustoffe können wir nicht recyceln.“ Lutzenburger beschäftigt sich mit ihrer Firma ResScore mit ressourceneffizientem Bauen und zertifiziert Bauprojekte. „Damit Bauen anders funktioniert und neu gedacht wird.“ Und sie plädiert dafür, ein altes Gebäude als „Wertstofflager“ zu sehen und die Baustoffe bei Abbruch wieder zu verwenden. Dass ein Umdenken in der Bauindustrie dringend nötig ist, zeigt eine Zahl: „Mehr als 50 Prozent der weltweit verfügbaren Ressource sind schon verbaut.“ Und eine zweite Zahl: Der weltweit jedes Jahr verbaute Beton ist für jährlich acht Prozent des C02-Ausstoßes verantwortlich.

Foto: © Störmer Murphy and Partners