Was ist lebendige Stadt? Um diese Frage ging es am 18. März 2021 beim Live-Talk „Geschichten von der Zukunft“ der WAS TUN! Stiftung aus dem „Überquell“ (Altona-Altstadt). Mit dabei: Karin Loosen (Präsidentin der Hamburgischen Architektenkammer), Frank Engelbrecht (Pastor der St. Katharinen Gemeinde), Almut Siewert (Projektleiterin der Klimainitiative Stadtgemüse) und Frank Schweikert (Vorstand der Deutschen Meeresstiftung und Initiator der Hamburger Klimawoche).

Pastor Frank Engelbrecht hatte im Vorfeld der 12. Hamburger Klimawoche mit seinen Nachbar*innen und anderen Initiativen die Aktion „Die Altstadtküste atmet – AUF!“ initiiert. Dabei eroberten sich die Bewohner*innen für ein Wochenende die Straßen Bei den Mühren und Katharinenkirchhof am Zollkanal zurück. „Ein großartiges Wochenende mit Flohmarkt und Konzerte, an dem die Stadt an dieser Stelle zusammengewachsen ist. Und die Stille, wo sonst der Verkehr tobt, war ein ganz tolles Erlebnis“, so Engelbrecht. Ihm geht es aber nicht darum, nur ein Event zu machen. Sondern es geht darum, aus dem Areal eine „begrünte Straße“ zu machen: „Das ist mein Traum, meine Vision.“ Und in diesem Jahr soll es im September zur Nacht der Kirchen und vor der Klimawoche 2021 eine Wiederholung geben.

Karin Losen sagte auf die Frage von Moderator Matthias Wolk (Vorstand WAS TUN! Stiftung), was sie antreibt: „Ich will gute Ideen vernetzen.“ Das griff auch Frank Schweikert (Deutsche Meeresstiftung / Hamburger Klimawoche) auf: „Vernetzen ist das Gebot der Stunde, Ideen für unsere Zukunft austauschen.“ Schweikert will die Stadt mehr zu einem „Ort der Begegnung“ machen. Und tritt dafür ein, dass wir nachhaltige Energie überall in der Stadt produzieren – auf den Dächern. „Solarenergie ist so günstig, warum tun wir es nicht“, fragte Schweikert. „Der Klimawandel zerstört mehr Leben, als diese Pandemie. Wir müssen schnell die Energiewende umsetzen.“ Trotzdem finden sich auf den wenigsten Hamburger Dächern Solarkollektoren. „Wir müssen darüber sprechen, wie die Dächer der Zukunft aussehen“, so Schweikert, der dazu ein Solarprojekt initiiert hat, das Energiegewinnung und Dachbegrünung kombiniert.

„Die Dächer haben viele Funktionen“, sagt Architektin Loosen und berichtete von spannenden Projekten auf den Dächern, wie zum Beispiel Gemüsegärten oder Erholungsflächen. Wenn auch nicht auf den Dächern, so doch am Boden hat die WAS TUN! Stiftung ihr Projekt „Stadtgemüse“ umgesetzt. 33 Hochbeete wurden verschenkt und sind Mittelpunkt von ganz unterschiedlichen Urban Gardening-Projekten in der Stadt. Almut Siewert berichtete darüber, dass sich die Teams nun untereinander austauschen: „Da wird den ganzen Sommer über gegärtnert, da kann noch ganz viel passieren.“ So ist auch ein gemeinsames Projekt von WAS TUN! Stiftung und Hamburger Klimawoche geplant, um Gemüse auf bezirklichen Grünflächen anzubauen. Schweikert: „Wenn man Gemüse selber groß zieht, identifiziert man sich viel mehr mit dem Produkt.“

Pastor Engelbrecht kritisierte den Umbau des Ballindamms, auf dem Hamburgs breitester Radweg entstanden ist, als nicht gelungen. „Ich hätte mir eine parkähnliche Landschaft gewünscht, wo die Häuser durch Grün mit dem Wasser verbunden sind”, so Engelbrecht, wo man auch hätte durchradeln können. So sei es eine betonierte Piste geblieben. Und auch Karin Loosen wünscht sich einen anderen Umgang mit den zur Verfügung stehenden Flächen, auch beim Wohnen: „Wir haben einen riesigen Wohnflächenverbrauch.“ Sie appellierte: „Wir müssen mehr an die Gemeinschaft denken, an die Älteren, die kleine Wohnungen brauchen.“

Und wie sieht Hamburg in zehn Jahren aus? „Da gibt es einen großen Elbuferpark vom ,Überquell’ bis zu St. Katharinen“, wünscht sich Pastor Frank Engelbrecht. „Und draußen, wo jetzt die Autos fahren, spielen die Kinder.“ Frank Schweikerts Utopie ist, dass das Alte Land und Hamburg wieder mit Schiffen verbunden werden:  De Elbe muss wieder anders genutzt werden, nicht nur als Industriehafen.“ Und Architektin Karin Loosen wünscht sich „weniger Autos, mehr Fahrräder, mehr schöne Räume“. Und: „Das wir auch mehr Experimente wagen und die Stadt anders kennenlernen.“

Was die Expert*innen über Kopenhagen und ihre Stadtplanung denken, gibt es der einstündigen Sendung, die auf YouTube angesehen werden kann.