Wie kann die Schifffahrt ihren Beitrag leisten, damit der Transportsektor klimafreundlicher wird? Um diese Frage ging es beim Zukunftsdialog, der am 2. März 2021 zum ersten Mal in Kooperation von Hamburger Klimawoche, der Bucerius Law School und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius stattgefunden hat. 

Es diskutierten vor mehr als 80 Teilnehmer*innen Stephan Gollasch (Gründer von GoConsult sowie Berater des Verkehrsministeriums für das Maritime Environmental Protection Committee der International Maritime Organization, IMO), Pierre C. Sames (Senior Vice President, Group Technology and Research Director, DNV) und Otto Schacht (Executive Vice President Sea Logistics, Kühne + Nagel). Die Moderation hatten Martje Köppen und Henrik Bousset, Studierende der Bucerius Law School.

Der Logistiker Kühne + Nagel stellt auf seiner Internetplattform Sea Explorer die Emissionen eines Schiffes dar. Die Kunden seien begeistert von dieser Transparenz, sagt Otto Schacht. Und seien auch bereit, mehr zu bezahlen. Denn anfangs wird die Dekarbonisierung, also die Umstellung auf eine Wirtschaftsweise, die den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) nachhaltig reduziert und kompensiert, den Transport verteuern. „Ich kann alle in der Schifffahrt nur motivieren“, so Schacht, ihren Anteil zu leisten.

Otto Schacht verdeutlichte, wie sich beispielsweise der Einsatz von Biokraftstoffen auf den Endpreis eines Produktes auswirken würde. Bei Wein, der von Chile nach Hamburg importiert wird, würde sich der Preis pro Flasche um 5 bis 7 Cent erhöhen. Schacht: „Die Dekarbonisierung wird mehr Kosten, aber nicht sehr viel mehr.“

Damit saubere Brennstoffe eine Chance auf dem Markt haben, plädierte Schacht für eine hohe CO2-Steuer. Bei Hapag Lloyd fahren die neuesten Schiffe der Flotte mit LNG (Flüssigerdgas) und könnten auch mit anderen Brennstoffen betrieben werden. Die dänische Reederei Maersk will in zwei Jahren ein kleines Containerschiff in Betrieb nehmen, das CO2-neutral betrieben werden kann.

Das Problem sei, dass alternative Brennstoffe heute nur in geringen Mengen verfügbar sind, so Pierre C. Sames. Das gelte auch für Flüssiggas oder synthetische Brennstoffe. Denkbar sei auch die Verwendung von Gasen aus Kläranlagen, aber auch hier ist die Verfügbarkeit und Logistik nur auf lokalem Niveau realistisch. Und auch für Bio-Brennstoffe der dritten Generation, wie zum Beispiel jenen, die aus Algen produziert werden, gelten diese Herausforderungen.

Stephan Gollasch machte deutlich, dass „Vorreiter“ für nachhaltige Maßnahmen in der Seeschifffahrt benötigt werden, damit andere nachziehen. Und er lenkte die Diskussion noch auf das Ballastwasser und den damit verbundenen Eintrag von invasiven Arten. Die Schäden durch die Einschleppung von Tieren durch die Schifffahrt, oder auch bei Pflanzen durch Gartencenter und andere, würde weltweit in die Milliarden gehen. Jedoch habe die International Maritime Organization gezeigt, dass internationale Zusammenarbeit funktioniert und die Länder nun gemeinsam gegen die Einschleppung vorgehen. Daher sei die Gremienarbeit und Kooperation zwischen Ländern unabdingbar für globale Herausforderungen wie etwa die Verbreitung invasiver Arten als auch eine CO2-neutrale Seeschifffahrt.

In der Diskussion ging es aber auch um Brennstoffzellen und Batterien, die besonders bei lokal operierenden Schiffen zum Einsatz kämen, so Sames. Diese seien oft Vorreiter für neue Technologien, da die Bereitstellung und Reichweite sich im Kleinen besser einfacher erproben ließe. Und auch der Einsatz erneuerbarer Energien wie beispielsweise Wind sei bei lokaler Anwendung oder bestimmten Schiffstypen als Zusatzantrieb Schiffstypen denkbar – so bei Schiffen mit flachem Deck. Aber auch bei Autotransportern, Fähren oder Kreuzfahrschiffen sei der Einsatz geplant.

Die vollständige Video der Veranstaltung könnt ihr hier auf YouTube sehen.