Prof. Mojib Latif (l.) am Sonntag auf der Klimawochen-Bühne mit Frank Schweikert (Beiratssprecher der Hamburger Klimawoche) Foto: HKW

Die 12. Klimawoche unter dem Motto „Das Klima braucht Dich!“ war die erste Großveranstaltung mit Zuschauer*innen nach Ausbruch der Corona-Pandemie, die auf dem Rathausmarkt stattfinden konnte. Zeitgleich wurden die Veranstaltungen im Internet gestreamt. Zahlreiche prominente Expert*innen und Politiker nahmen an den Veranstaltungen teil, so Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD), Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks (Grüne) sowie die Staatssekretärin aus dem Bundesverkehrsministerium, Dr. Tamara Zieschang (CDU). Außerdem die Energieökonomin und Schirmfrau der 12. Hamburger Klimawoche, Prof. Claudia Kemfert, und die Nachhaltigkeitsexpertin Prof. Maja Göpel. Insgesamt gab es in der Stadt rund 220 Veranstaltungen. Am 27. September 2020 um 17 Uhr ging die 12. Hamburger Klimawoche zu Ende.

„Wir müssen das Klimaproblem als das betrachten, was es ist, als eine weltweite Krise. Die Bewältigung der Klimakrise erfordert eine unverzügliche und radikale Neuorientierung in allen Bereichen“, sagte Prof. Mojib Latif in einem Abschluss-Plädoyer anlässlich der 12. Hamburger Klimawoche am Sonntag. Latif ist Leiter der Forschungseinheit Maritime Meteorologie am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und Beiratsmitglied der Hamburger Klimawoche.

In den fünf Tagen zuvor wurde auf der Bühne der Klimawoche unter anderem engagiert über Mobilität, Energie, Wirtschaft und Ernährung diskutiert. Zudem gab es spannende Vorträge, so beispielsweise unter dem Titel „Mit der MOSAiC-Eisscholle zum Nordpol. Einblicke in die größte Arktis-Expedition“. Dabei wurde erstmalig auch faszinierendes Videomaterial gezeigt, das bisher unveröffentlicht war. Zuvor hatte es eine Live Telefonschaltung zu dem Forscherteam in der Arktis gegeben.

Am 25. September 2020 diskutierte Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (SPD) mit der Energieökonomin Prof. Claudia Kemfert (Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Co-Vorsitzende im Sachverständigenrat für Umweltfragen SRU der Bundesregierung) und der Nachhaltigkeitsexpertin Prof. Maja Göpel (Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen und eine der Initiatorinnen der Scientists4Future). Dabei ging es um die Frage „Corona und Klima: Was wir wirtschaftlich und gesellschaftlich ändern müssen“.

„Hamburgs Klimaschutzplan ist etwas Besonderes, weil er sehr konkret etwa 400 Maßnahmen beschreibt und hinter jeder Maßnahme steht eine Zahl, wieviel CO2 wir einsparen. Und diese sehr konkrete CO2-Verringerung ist das Besondere“, hatte Dr. Peter Tschentscher bei der Diskussion gesagt. „Ich möchte, dass unsere Stadt so schnell wie möglich klimaneutral wird. Je schneller wir sind, umso besser. Wir haben schon den Ehrgeiz, dass wir ein Stück weit Vorbild werden beim Klimaschutz.“

Prof. Maja Göpel hatte auf der Klimawoche gefordert: „Wenn wir bei Lufthansa einsteigen, warum wird da nicht ein Dekarbonisierungs-Plan verlangt. Im Prinzip geht es doch gar nicht anders. Jetzt haben wir einen perversen Anreiz geschaffen, dass die Flugvolumina wieder hochgehen.“

Und Prof. Claudia Kemfert appellierte: „Wenn man die Wirtschaft stärken will, dann bitte in Zukunftstechnologien und nicht in Vergangenheitstechnologien wie z.B. Verbrennungsmotoren.“

Zudem hatte Prof. Kemfert eindringlich für die Energiewende geworben: „Die Energiewende ist das beste Friedensprojekt, das wir haben.“ Und auch beim Thema Verkehr hatte sich die Expertin deutlich positioniert: „Wir brauchen mehr Platz für die Menschen und keine autogerechte Stadt. Wenn man das ausspricht, wird gesagt, man sei Autohasser. Nein, man ist ein Menschenfreund.“

Das Thema Verkehr spielte auch am Auftakttag der 12. Hamburger Klimawoche auf dem Rathausmarkt (22. September) eine große Rolle. Hamburgs neuer Senator für Verkehr und Mobilitätswende, Dr. Anjes Tjarks(Grüne), sagte, dass die zur Verfügung stehenden Flächen im Rahmen der Mobilitätswende neu verteilt werden müssten: „Wir werden Parkplätze abbauen. Das muss man klar sagen. Mit jeder Straßenmaßnahme, die wir jetzt durchführen, wird sich die Stadt verändern. Wir werden in zehn Jahren einen anderen Verkehrsmix haben.“ Und zum ÖPNV sagte er: „Der Hamburg-Takt ist die Idee, den Fahrplan überflüssig zu machen.“ Der Hamburg-Takt besagt, dass den Bürgern mindestens alle 5 Minuten an jeder Haltestelle ein öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, hatte in der Diskussion mit dem Senator gefordert: „Wir brauchen Ordnungsrecht, wir müssen lenken. In anderen Ländern zahlt man schnell eine Strafsteuer für große Autos.“ Auch Resch plädierte ebenfalls für weniger Parkraum und ein generelles Tempolimit. Gleichzeitig warnte er davor, die Städte mit Carsharing-Flotten zuzustellen.

Und am 26. September 2020 sprach Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) auf der Klimawoche über seinen neuen Job als Agrarsenator, machte sich für den Biolandbau stark und appellierte an die Hamburger*innen, ihren Fleischkonsum zu überdenken: „Es gibt wenig Stellschrauben, wo man einen so großen Einfluss auf CO2 hat, wie beim Fleischkonsum. Wir müssen weniger Fleisch produzieren.“

Und Kerstan plädierte dafür, auch im Einzelhandel das Ordnungsrecht anzuwenden: „Wenn gerade Billig-Discounter ihre Lockangebote mit billigem Fleisch betreiben, dann muss jeder wissen, dass das schlecht fürs Klima ist und die Tiere unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden.“ Man dürfe notfalls auch keine Angst vor Verboten haben, so der Senator „Der Klimawandel schreitet so schnell voran und wir haben nicht wirklich die Zeit, bis es der Letzte verstanden hat.“

Neben dem Bühnenprogramm gab es auch einen Ausstellerbereich auf der 12. Hamburger Klimawoche auf dem Rathausmarkt. Dort informierte die Verbraucherzentrale Hamburg über Klimaschutzmaßnahmen, die jede*r Zuhause umsetzen kann, NGOs berichteten über ihre Arbeit und Engagement Global stellte sein 17-Ziele-Mobil aus und informierte über die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Diese SDGs sollen den Weg in eine gerechtere und nachhaltige Zukunft auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene vorgeben. Sie wurden in der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung am 1. September 2015 von der UN-Generalversammlung verabschiedet und traten am 1. Januar 2016 in Kraft.

Zudem konnten die Besucher*innen einen direkten Kontakt zu Wissenschaftler*innen bekommen und in der Klimasprechstunde Mitarbeiter*innen des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ), des Climate Service Center Germany (GERICS) sowie des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M) Fragen rund um den Klimaschutz stellen.

Für ein faszinierendes interaktives Exponat der NEW 4.0-Roadshow der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg war auf der Klimawoche ein Kuppelzelt aufgebaut, in dem Menschen die Energiewende für Hamburg und Schleswig-Holstein interaktiv erleben konnten. 

Mit der Teilnahme von rund 2000 Schüler*innen war auch das Bildungsprogramm der 12. Hamburger Klimawoche ein großer Erfolg. Die gut 100 Veranstaltungen fanden in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ausschließlich an den Schulen statt. 

Und am Abschlusswochenende lockte der Themenpark der Hamburger Klimawoche, der als Green World Tour mit dem Partner Autarkia rund um die Hauptkirche St. Petri stattfand, tausende Interessierte an. Rund 80 Aussteller*innen präsentierten sich auf der Messe und zeigten den Hamburger*innen ganz konkrete Möglichkeiten für mehr Nachhaltigkeit im Alltag.

Zwei kulturelle Highlights während der Klimawoche begeisterten die Zuhörer*innen besonders. In der Hauptkirche St. Katharinen gaben das Orchester des Wandels und Juri de Marco ein Klimakonzert. Der Zusammenschluss aus Berufsorchestern und freien Musiker*innen fördert durch besondere Konzerte Klima- und Umweltschutzprojekte. Mehr Informationen unter: www.orchester-des-wandels.de

Und am heutigen Abschlusstag begeisterten während der Klimasounds auf dem Rathausmarkt „Chor und Band“ vom The Young ClassX Ensemble unter der Leitung von Michael Zlanabitnig.

Die Hamburger Klimawoche bedankt sich bei allen Mitarbeiter*innen, ehrenamtlichen Helfer*innen, den beteiligten Firmen insbesondere aus der Eventbranche, die Großartiges beim Aufbau der Hamburger Klimawoche geleistet haben, allen voran der EventPlanung nord, sowie bei allen Sponsoren und Unterstützer*innen. Zudem bedanken wir uns bei unseren Haupt-Unterstützern, der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Deutschen Postcode Lotterie, sowie bei den Medienpartnern NDR 90.3 und Hamburg Journal, beim Communitysender TIDE und bei AINO sowie kiekmo.

Alle Veranstaltungen (mit Ausnahme der rechtlich geschützten Kinofilme und der Musikdarbietungen) stehen dauerhaft als Video über YouTube und oder auf der Webseite der Klimawoche zur Verfügung. Außerdem sendet der Communitysender TIDE vom 5. bis 11. Oktober täglich ab 18 Uhr eine Veranstaltungen der Klimawoche.