Handlungsperspektiven: gesellschaftlicher Umgang mit dem Klimawandel;
das Ebro-Delta im Vergleich zum Unterelberaum

 

Serhat Etdöger & Vincent Fortuin (Schüler des Oberstufenprofils Ökosystemforschung)

 

 

Aktuell arbeitet die Klasse an einer Gegenüberstellung der Wirkungen des Klimawandels auf das Delta des Flusses Ebro im spanischen Katalonien und die Elbe in Hamburg, in Hinblick auf die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen dieser Standorte.

Dazu haben wir Exkursionen in interessante Gebiete in Hamburg unternommen, um beispielsweise die besonders klimaadaptierte Architektur der Hafencity zu untersuchen und sie mit der Architektur anderer Orte zu vergleichen.

 

Ausflug in die Hafencity

 

Zudem haben wir eine Studienfahrt ins Ebro-Delta unternommen, um uns vor Ort ein Bild von der Situation zu verschaffen und mit ansässigen Wissenschaftlern und betroffenen Anwohnern zu sprechen. Es ist dabei von Nutzen, dass unser Tutor Olaf Zeiske seit vielen Jahren international Umweltforschung mit Umweltbildung verknüpft.

Zur Vorbereitung von eigenen Untersuchungen und komlexeren Unterrichtsthemen haben wir uns wiederholt bei Wissenschaftlern informiert, z.B. ihre Vorträge besucht und sie persönlich befragt.

 

Klimzug macht Station

 

Vortrag von Dr. Ulrich Kotthoff

 

 

Bei unserer Arbeit verwenden wir Netbooks, welche jeder Schüler im Rahmen des Hamburger Netbook-Projekts von der Schulbehörde erhalten hat.

 

Typische Recherchesituation unter Zuhilfenahme der Netbooks

 

Vorstellung des Corbicula-Projekts im Landesinstitut als Beispiel für den Einsatz von Netbooks im Unterricht

Das Ebro-Delta entand aus Sedimenten, die der Fluss Ebro in den letzten 5000 Jahren aus dem Binnenland an die Küste transportiert und dort abgelagert hatte.

Größtenteils liegt das Ebro-Delta nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, weshalb es vom Meeresspiegelanstieg im Zuge des Klimawandels relativ stark betroffen sein wird.

 

Der Fluss Ebro


Dieser Prozess verläuft üblicherweise sehr langsam, in diesem Fall kommt allerdings hinzu, dass der Ebro seit einigen Jahrzehnten aufgestaut wird, sodass die Sedimente das Delta nicht mehr erreichen und das Bodenniveau zusätzlich durch einen Abbau der Sedimente sinkt.

Der Boden und der Meeresspiegel nähern sich einander also von beiden Seiten an, sodass hier ein unfreiwilliges Experiment entsteht, bei dem die Folgen des Klimawandels im Zeitraffer beobachtet werden können und das Delta regelrecht in seine Klimazukunft katapultiert wird.

Dieses Experiment bietet uns die Gelegenheit, Prognosen für unsere eigene Zukunft in Hamburg in einigen Jahrzehnten zu treffen und das schon heute!

 

Aufgrund des Meeresspiegelanstiegs, drückt das Meerwasser stärker in den Boden des Deltas, welcher dadurch versalzt.

Der seit 200 Jahren im Delta praktizierte Reisanbau, von dem etwa zwei Drittel der Fläche des Deltas geprägt sind, wird dadurch stark gefährdet: Die Erträge werden niedriger und die Reisbauern werden mehr Geld in Pumpanlagen investieren müssen, die ihre Reisfelder mit Süßwasser versorgen. Dies wird einen immensen wirtschaftlichen Wandel im Delta verursachen, der höchstens durch eine Zunahme der touristischen Aktivität kompensiert werden kann, wenn die Temperaturen steigen und das Delta als Urlaubsort dadurch attraktiver wird.

 

Reisfeld im Ebro-Delta


Ein sehr ungewöhnlicher Anblick, der sich bei einer Befahrung des Ebro für einen Norddeutschen bietet, ist die vollkommene Abwesenheit von Deichen.

Dies hängt damit zusammen, dass wir in Hamburg einen Tidenhub von mehreren Metern haben, der gelegentlich von bestimmten Winden sogar noch vergößert wird. Im Ebro liegen zwischen Ebbe und Flut hingegen nur 20 Zentimeter.

Zudem ist das Ebro-Delta relativ spärlich bevölkert, weshalb sich eine größere Investition in den Schutz dieser Region politisch und ökonomisch nicht lohnen würde. Die meisten Bewohner leben an der Basis des Deltas in den großen Städten, welche durch ein hohes Maß an Binnenmigration weiter wachsen, während die ländlichen Flächen des Deltas mehr und mehr entvölkert werden.

Im Zuge der Erwärmung hat auch die Argentinische Apfelschnecke inzwischen ihren Weg ins Delta gefunden. Diese Schneckenart ernährt sich bevorzugt pflanzlich und sorgte schon in der Vergangenheit für gewaltige Plagen auf den Reisfeldern Asiens. Sie setzt nun den Reisbauern des Ebro-Deltas zu.

 

Aufgrund ihrer Fähigkeit sowohl Kiemen- als auch Lungenatmung zu betreiben, wobei sie sogar aus dem Wasser heraus mit einem langen Sipho an die Luft gelangen kann, ist sie sehr robust und schwer zu bekämpfen. Bei einer Dürre oder ähnlichen Verschlechterung der Lebensumstände ihrer Umgebung kann sie ihr Haus mit einem Deckel verschließen und ein halbes Jahr ohne Nährstoffversorgung darin überleben.

Es handelt sich um eine sehr dominante Schneckenart, welche auch ihre Konkurrenzarten, sofern diese über kein verschließbares Haus verfügen, angreift und verzehrt.

Überdies ist die Apfelschnecke ein häufiger Zwischenwirt des Pärchenegels, der die gefährliche Krankheit Schistosomiasis auslöst. Sie ist ein gutes Beispiel für eine invasive Art, die einheimische Arten verdrängt, das Biotop zerstört und selbst für den Menschen eine direkte gesundheitliche und wirtschaftliche Gefahr darstellt.

Zur Untersuchung der Ökosysteme des Ebro-Deltas haben wir Naturschutzgebiete und Forschungsstationen sowie Vorträge ortsansässiger Wissenschaftler besucht.

 

Naturschutzgebiet im Ebro-Delta

 

Vortrag des renommierten Forschers Dr. Carles Ibañez